Interview Lorenz

Lorenz liebt die Berge. Das dürfte etwas sein, das den „Hetteggers“ in die Wiege gelegt wurde. Den meisten zumindest. So gerne sie mit Leib und Seele Gastgeber sind, so gerne suchen sie ein Fleckchen Natur auf, um wieder zur Ruhe zu kommen.
Der Wecker läutet kurz nach 4.00 Uhr. Am Abend davor hatten wir leicht reden, als wir beschlossen, in aller Herrgottsfrühe auf den Berg zu gehen. Aber wer will schon eine Sonnenaufgangswanderung versäumen, wenn sie sich anbietet? Lilli und Lorenz Hettegger begleiten mich, zeigen mir ein kleines Stück ihrer Bergwelt, mit der Großarl so gut bestückt ist. Zum Glück habe ich meine Wanderschuhe immer dabei, der Rest findet sich. So wie der Wanderrucksack, der in meinem Hotelzimmer hängt und nur darauf wartet, mitgenommen zu werden.
Verschlafen schauen wir aus der Wäsche, als wir uns treffen. Macht nichts. Bald werden wir die Schlaftrunkenheit gegen Staunen tauschen, das beste Mittel, um munter zu werden. Und die Belohnung fürs frühe Aufstehen ist uns sicher: Sonnenaufgang in den Bergen. Kleines Frühstück am
Gipfel. Großes auf der Alm. Wir wandern von der Aualm los, der Aufstieg auf den Schuhflicker dauert nur eineinhalb Stunden, sagt zumindest der Wegweiser.
Der Almboden dämpft unsere Schritte, die Wiesen reichen bis auf die Bergspitzen hinauf, kleiden das Gebirge in ein saftiges Grün. Pferde grasen.
Der Berg schläft wahrscheinlich auch noch. Alles ist ruhig und wirkt gelassen. Ein Grund für Lorenz die Berge aufzusuchen.
Langsam geht in unserem Rücken die Sonne auf, das Licht verändert sich, die Konturen werden weicher. Das Gipfelkreuz lacht uns entgegen. Werden wir vor der Sonne oben sein? Doch so wichtig ist dieses Ziel auf einmal nicht mehr. Hauptsache, wir sind hier. Lilli geht langsam voran, bestimmt das Tempo. Für sie ist Wandern eine Meditation. Mit jedem Schritt verbindet sie sich mit der Erde. Ich möchte ein bisschen schneller gehen, Lorenz auch, aber wir halten uns im Zaum. Der Gipfel läuft uns ja nicht davon.
Mit der Sonne wandern Dann ist sie da, die Sonne, aufgetaucht über einem Bergkamm, strahlt sie uns an. Wir gehen über einen schmalen Grat, ein kleiner Gipfel ragt uns entgegen.
Ich frage Lorenz nach dem Namen. Er überlegt. Hat er einen? Und dann fragt er mich: Braucht er einen? Nein. Nicht alles muss in einer Karte wiedergefunden und haarklein aufgezeichnet werden. Hier zu sein, ist alles, was zählt. Vor allem mit den richtigen Begleitern. Lorenz strahlt eine ähnliche Ruhe wie dieser Berg aus. Es gibt nichts zu sagen, nicht viel zu berichten. Wir sind die Geschichte, die gerade erzählt wird. Schweigen, genießen, lächeln. Jeder für sich, das ist eine angenehme Erfahrung.
Und dann sind wir oben, die Sonne war schneller als wir – das sei ihr vergönnt. Wir stehen am Gipfel und tun das, was alle machen: Wir schauen hinunter.
Freuen uns über den Ausblick, wie es ihn nur von ganz oben gibt. Das, was unter uns liegt, wird klein und bekommt die Bedeutung, die ihm zusteht. Nicht mehr und nicht weniger. Für Lorenz ist dies immer wieder ein Grund, in die Berge zu gehen. Die Aussicht über „sein“ Tal zu genießen, auf seine Heimat zu blicken, mit der er sich tief verbunden fühlt. Für Lorenz war immer klar, dass er in Großarl bleiben und hier arbeiten möchte. Dafür ließ er sogar die Schule sausen und wurde der erste Lehrling im eigenen Betrieb, lernte Koch und Kellner und ist seinem Beruf seit 30 Jahren treu. Und auch, wenn die Oma Hettegger ihn gerne als Pfarrer gesehen hätte, Lorenz wollte lieber von einem Gast zum anderen schwirren. Als Schlusskellner gehört er zu jenen, die immer da sind, auf die man immer zählen kann und nicht verzichten möchte.
Weder als Gast.
Noch als Familienmitglied.
 
 
Lorenz Hettegger
 
verfasst von Lorenz Hettegger
 
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